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Zeitungsartikel aus dem Darmstädter Echo, 05. Juni 2010
05. Juni 2010 | von udo
döring
Zwölf
Wintersportler in einem Boot
Skilanglauf:
Nationalmannschaft trifft sich vor dem Team-Biathlon in
Bürstadt zur ersten gemeinsamen Trainingsmaßnahme

Teambildende Maßnahme auf
dem Altrhein bei Lampertheim. Die Nationalmannschaft der
Skilangläuferam Freitag beim Training in einem Drachenboot.
Foto: udo döring
Über den Altrhein schallt
der rhythmische Schlag einer Trommel, begleitet vom Kommando
,,eins, zwei,drei...". Die zackige Geräuschkulisse kommt von
einem Drachenboot mit einer ganz besonderen Besatzung: der
Elite des deutschen Skilanglaufs. Angeführt von den
olympischen Medaillengewinnern Tobias Angerer und Tim
Tscharnke trainieren Athleten auf dem Wasser, deren Heimat
der Schnee ist, die am Sonntag aber auf Asphalt im Einsatz
sind - beim Team-Biathlon im nahen Bürstadt.
Den Wettkampf nutzen die
Langläufer als Anlass, sich zur ersten
gemeinsamenTrainingsmaßnahme nach dem Ende des olympischen
Winters zu treffen. ,,Das ist eine Trainingsform, die man
nicht jeden Tag hat. Das soll auch in gewisser Form
zusammenschweißen. Man ist darauf angewiesen, gemeinsam den
Rhythmus zu finden", sagt Cuno Schreyl. Der Langlauftrainer
hatte die Idee zur gemeinsamen Bootsfahrt schon länger, in
Südhessen konnte er sie nun mit Unterstützungdes WSV
Lampertheim umsetzen. Am Freitag wurde erst im Drachenboot
und dann in Zweier-Kajaks gepaddelt. Am heutigen Samstag
wird noch gerudert und anschließend auf Rollski trainiert.
Dann soll auch das Frauenteam um Evi Sachenbacher-Stehle
dazu stoßen, das diese Woche Radtraining in der Schweiz
absolvierte.
,,Der Wintersportler wird
im Sommer gemacht", lautet die Lehre. Nur im April war
Pause, am 1. Mai ging dann schon die Vorbereitung auf die
kommende Saison los. Unter Bedingungen, bei denen sich
mancher schon nach dem Winter sehnte. Lieber kalt als
schmuddelig. Aber auch ein sonniger Tag am Altrhein tut
Wintersportlern gut, wie am Freitag der Laune und dem Drang
nach textilarmer Bewegungskultur anzumerken war. Gut
sichtbar, dass Skilangläufer es nicht nur in den Beinen,
sondern auch im Oberkörper haben müssen.
Tobias Angerer unternimmt
auch in der Heimat gerne ausgiebige Paddeltouren auf dem
Chiemsee. Aber selbst der bayerischen Heimat ist der
Silbermedaillengewinner von Vancouver gerne entflohen. ,,In
Traunstein hatten wir regelrechtes Hochwasser", sagt Angerer
inmitten für ihn turbulenter Tage. Am vergangenen Samstag
hat er geheiratet. Am kommenden Sonntag ist er in Bürstadt
Teil eines vom Veranstalter gepriesenen Dream-Teams. Weil er
nämlich an der Seite von Biathlon-Doppel-Olympiasiegerin
Magdalena Neuner startet. ,,Das habe ich auch nur im
Internet gelesen", sagt Angerer, für den es aber auch keine
große Rolle spielt, mit wem er antritt - und ob es um
Weltcuppunkte oder die Show geht: ,,Im Wettkampf gibst du
alles, ob beim Kirmesrennen oder bei der WM".
Sommer-Einsätze dieser Art
muss der Wintersportler aber stark dosieren: ,,Zu viele
Wettkämpfe kosten zu viel Energie. Und im Winter bei der
Tour de Ski fragt dich keiner, ob du im Sommer den
Team-Biathlon in Bürstadt gewonnen hast." Vor dem Rennen am
Sonntag (ab 13 Uhr, Fiege-Arena im Gewerbegebiet Bürstadt)
kann er es am heutigen Samstag erst einmal ruhiger angehen
lassen - beim Golfturnier ab 10 Uhr in Biblis-Wattenheim.
Hier wie auch beim
Team-Biathlon soll Geld gesammelt werden für die
Nachwuchsarbeit im Deutschen Ski Verband. Aber auch im
Training geht es schon darum, die Jugend an die Weltspitze
heranzuführen. So saß Angerer am Freitag mit Lukas Bögel im
Kajak, der gerade von den Junioren aufgestiegen ist. ,,Wir
wollen mit solchen Trainingsmaßnahmen auch die Jungen an das
Niveau der erfolgreichen Routiniers heranführen", sagt Cuno
Schreyl. Die Ergebnisse würden zwar belegen, dass der
deutscheLanglaufsport seinen festen Platz in der Weltspitze
hat. Der olympische Winter habe aber auch gezeigt, dass es
neben dem Material gerade in der Mannschaftsstrategie
Verbesserungsansätze gibt.
Vielleicht hilft ja in
einer entscheidenden Rennphase irgendwann die Erinnerung an
den gemeinsamen Rhythmus von zwölf Wintersportlern in einem
Drachenboot auf dem Altrhein.
